heimatgeben

Warum in Oggelsbeuren? - Geschichtliches

Oggelsbeuren ist ein kleiner 450 Seelen Ort in Oberschwaben, zwischen Ulm und Bodensee – 15 km von der Stadt Biberach/Riss entfernt. Er ist überwiegend katholisch geprägt und gehört zur Gemeinde Attenweiler und dem Landkreis Biberach. Die Grenze zum nächsten Landkreis Alb-Donau ist 1 km weg. Seelsorgeeinheit Ulrika Nisch und Dekanat Biberach auf der kirchlichen Seite. 1348 wurde hier ein Kloster gegründet. 1860 gründeten die Franziskanerinnen von Sießen (Lehrfrauen des hl. Franz v. Assisi) von hier aus ihr Kloster in Sießen bei Bad Saulgau. Die Dimension einer kirchlichen und ordensspezifischen Ausrichtung hat in Oggelsbeuren eine lange Tradition. 1860 begann dann die neue Nutzung der Gebäude. Zusammen mit den „Barmherzigen Schwestern des hl. Vinzenz von Paul“, deren Mutterhaus noch in Schwäbisch Gmünd war, und Pfarrern wurde die Stiftung Piuspflege in Oggelsbeuren ins Leben gerufen. Waisenkindern sollte dort Pflege und Erziehung zuteilwerden. 1867 wurden die Kinder getrennt. 60 Jungen blieben in Oggelsbeuren. Die Mädchen kamen in die St. Anna Pflege nach Leutkirch im Allgäu. Über Hundert Waisenkinder und Schwererziehbare fanden so zeitweise Heimat in der Stiftung Piuspflege. 1981 bekam diese Einrichtung die staatliche Anerkennung als Schule für Erziehungshilfe. 1984 wurden die beiden letzten Schwestern der Vinzentinerinnen vom Mutterhaus in Untermarchtal abgezogen. Die Gebäude wurden nun in verschiedene Richtungen genutzt: Kolpingsbildungswerk, Bürgerkriegsflüchtlinge, und anderes. 1998 Einzug der Fachklinik Hohenrodt für Suchtkranke (Träger Caritas). 2007 Übergabe der Fachklinik an die Zieglerischen Anstalten. Am 1. April 2012 Auszug des Mieters.
 

Die Immobilie:

Heute gehört zur Stiftung ein großes Haupthaus, 2 Flachbauten, 2 Werkstätten (Schreinerei und Schlosserei) und ein landwirtschaftlicher Betrieb (verpachtet und bewirtschaftet). Ein Wohnhaus, Sportplatz und landwirtschaftliche Grundstücke umrahmen das Ganze. Die Stiftung ist das gewachsene Wahrzeichen der Ortschaft Oggelsbeuren.

Rechtliches:

Die kirchliche Stiftung Piuspflege wurde von einem Verwaltungsrat und einem Vorstand (dem jeweiligen Pfarrer von Oggelsbeuren) geleitet. Das Letztere wurde 1999 durch eine Satzungsänderung verändert. Die Oblaten der makellosen Jungfrau Maria ( OMI ), die ihre Niederlassung im Wallfahrtsort Schemmerhofen (11 km entfernt) bis zum 1.1.2016 hatten, stellten ein Verwaltungsratsmitglied. Zuerst Pater Josef Cramer und ab 2006 Pater Alfred Tönnis. Letzterer wurde nach der Satzungsänderung 1999 und dem Weggang von dem Pfarrer vor Ort, Pfarrer Max Stark, Vorstand der Stiftung Piuspflege.

Zur Entwicklungsgeschichte als neuartiges Projekt zur Flüchtlingsaufnahme:

Mit der Kündigung des Mietvertrages durch die Zieglerischen Einrichtungen im Dezember 2011 stellte sich die Frage der weiteren Nutzung. 2011 wurde eine Steuerungsgruppe ins Leben gerufen. Der Auftrag war, Ideen für eine Zukunft der Stiftung zu sammeln und eine Konzeption zu erarbeiten. Die Stiftung war wieder durchaus bereit, nicht nur Vermieter sondern auch Träger  einer Einrichtung zu werden. Viele Gespräche wurden geführt. Durch eine offensive Öffentlichkeitsarbeit wurde auch eine breitere Öffentlichkeit in diese „Suche nach Zukunft“ eingebunden. Immer mehr kristallisierte sich schon im Jahr 2012 die Fokussierung auf Flüchtlingsaufnahme heraus. Die Beteiligten erkannten und spürten, dass in diesem Bereich Neues entwickelt werden muss. Dem entgegen standen die hohen Kosten einer großen Gebäudeimmobilie, die nicht zentrale Lage und das bauliche Format. In Deutschland waren Flüchtlinge und Asylbewerber noch vor einigen Jahren weniger im Fokus. Das Thema „Flüchtlingsaufnahme“ mehr ein Randthema. Der Balkankrieg und auch der Krieg im Kosovo um die Jahrtausendwende hatte vieles in diesem Bereich in Bewegung gebracht. Viele erinnern sich noch an die damalige Aufnahme von Flüchtlingen in Containern und anderen weniger menschenwürdigen Umständen. Von Willkommenskultur und vielem mehr war wenig die Rede. Die Steuerungsgruppe erarbeitete eine erste Konzeption. Die Fokussierung liegt auf Aufnahme, Begleitung und Stabilisierung von Flüchtlingen und Asylbewerbern. Der Verwaltungsrat unterstütze diese Ideen, die Beschlüsse waren einstimmig. Die Haltung des Landkreises war mehr ablehnend: Besonders stark zählte die dezentrale Lage. Die Haltung der Diözese Rottenburg – Stuttgart war ebenso mehr ablehnend: die hohen Kosten standen da unter Anderem im Fokus.  Die Ordensgemeinschaft der Oblaten unterstütze diese Ideen dadurch, dass der Provinzrat beschloss, Pater Alfred Tönnis kann in der Projektentwicklung sich engagieren und 2 Mitbrüder sollen ihn dafür auch in der Arbeit als Leitender Pfarrer der Seelsorgeeinheit Schemmerhofen entlasten. Unzählige Gespräche wurden von allen Beteiligten geführt. Auf verschiedenen Ebenen wurde diskutiert, viele „Türklinken wurden geputzt“. Im Ortschaftsrat und im Gemeinderat vor Ort wurde die Projektidee vorgestellt – jeweils  einstimmige Beschlüsse motivierten die Aktiven enorm. Der Pfarrer vor Ort, der gemeinsame Ausschuss der Seelsorgeeinheit Ulrika Nisch und der Kirchengemeinderat vor Ort wurde mit eingebunden. Medienmäßig wurde vieles gemacht. Die Öffentlichkeit in die Projektentwicklung mit eingebunden. Spender wurden gesucht. Ehrenamtliche angesprochen und so ein Fundament für eine mögliche Projektverwirklichung gelegt. Ein 1. Imagefilm wurde von Andreas Ege gedreht. Ein 2. Imagefilm von Lukas Hoffmann. 

Arabischer Frühling und der Syrienkonflikt:

Diese beiden großen Ereignisse befeuerten natürlich die Diskussion um Flüchtlingsaufnahme. Völkerwanderungen und über 50 Millionen Flüchtlinge weltweit sind Fakten, denen es sich zu stellen gilt. Parallel zu der Projektentwicklung in Oggelsbeuren gab es diese Ereignisse, die Medial und Politisch an Attraktivität immer mehr gewannen. Es gab und gibt ja kaum einen Tag, an dem das Thema Flüchtlingsaufnahme nicht präsent war und ist.
Die Jahre Krieg in Syrien (ab März 2011), die damit verbundenen Gräueltaten und der Aufruhr in der ganzen Region sind keine kurzen Zeiterscheinungen – sie werden weiterhin eine große Herausforderung bleiben – für die Menschen vor Ort, aber auch für Europa als Aufnahmeregion.
Die kriegerischen Auseinandersetzungen in Afrika sind ein weiterer Faktor in diesem Geschehen und in dieser Herausforderung.
Die Haltung von Papst Franziskus:   
Durch die Wahl von Papst Franziskus bekam das Thema Flüchtlingshilfe und Flüchtlingsaufnahme eine ungeahnte Unterstützung. Er ging mutig auf dieses Thema ein, durch seine Reisen, durch sein Lebenszeugnis und seine Worte auch an die Ordensleute. Es waren deutliche Worte, die zur Tat mahnten und mahnen. Wo wird das Charisma des Ordensgründers, des Ordens konkret gelebt? Bei uns Oblaten die Richtung zu den Armen und Ärmsten? Für mich ist die Wahl von Papst Franziskus ein Geschenk Gottes, in der richtigen Zeit den richtigen Mann. Und dann den stabilisierenden emeritierten Papst Benedikt noch als Rückendeckung…  Der Start am 13.5.2014 steht bevor: Ende 2013 zeichnete sich immer mehr ein möglicher Start ab. Die Diözese Rottenburg – Stuttgart und der Landkreis Biberach stiegen mit ins Boot. Die Bruno Frey Stiftung von Biberach ebenso. Die Ministerien gaben grünes Licht. 30 Ehrenamtliche waren mittlerweile gefunden. Finanziell und strukturell war ein baldiger Start realistisch. Die Aufnahmezahl wurde auf 75 Flüchtlinge / Asylbewerber begrenzt. Die Einrichtungen der Zimmer und Wohnräume wurden fertiggestellt – viele Spenden und die Arbeit der Ehrenamtlichen ermöglichten das. Der Film „Flucht und Heimat“, der einerseits die Situation von syrischen Flüchtlingen in Ägypten und im Libanon aufzeigt und andererseits die Gründung der Stiftung dokumentiert, hat bei den Biberachern Filmfestspielen im November 2014 Premiere. Am 26.2.2014 wird die „Stiftung Piuspflege“ zur „Stiftung Heimat geben Oggelsbeuren“ mit der Ausrichtung, Menschen in Not – insbesondere Flüchtlingen – Heimat zu geben. Am 4.5.2015 wurde der Festakt zur Gründung in der Aula der Stiftung gefeiert. Am 13.5.2015 kommen die ersten 45 syrischen Flüchtlinge von Friedland nach Oggelsbeuren. 

Wer arbeitet in der Stiftung?

Der normale Betreuungsschlüssel in einer Gemeinschaftsunterkunft dieser Größe ist 50 % Sozialarbeiter/in und 50 % Hausmeistertätigkeit.
Dagegen haben wir in der Stiftung einen anderen Schlüssel:
Sozialarbeiterin mit 100 %, ab Erhöhung der Aufnahmekapazität auf 120 Personen: 150 %.
Hausmeister mit 100 % (er betreut aber auch alle anderen Teile der Immobilie)
Schwester Christina als Fachkraft für Kinder pädagogisches Arbeiten und Sprachförderung
Eine weitere Fachkraft in diesem Bereich mit 12 Stunden in der Woche
2 junge Menschen im Rahmen Freiwilliges Soziales Jahr (FSJ) 
1 junger Mann (Flüchtling aus Gambia) im Rahmen der Vorbereitung auf den Bundesfreiwilligendienst (BFD)
Gut 30 Ehrenamtliche für Sprachunterricht, Fahrdienste, Krankendienste, Betreuungsdienste mit teilweise nennenswertem Stundendeputat. Die Kleiderkammerdamen sind enorm engagiert.
Eine Sekretärin mit 50 % 
Dieses Tool hat sich im Betrieb bewährt und bildet ein stabiles Netz als Grundlage.

Welche Flüchtlinge leben in der Stiftung:

Bis Mitte März 2015 hatten wir syrische Kontingentflüchtlinge aufgenommen. 142 Flüchtlinge fanden so Aufnahme: 28 Familien waren darunter, 21 Alleinstehende, 55 Kinder. Nach spätestens 6 Monaten soll ja ein Umzug in eine eigene Wohnung im Landkreis Biberach erfolgen. Das klappt auch. Es hat natürlich auch Auswirkungen auf die Betreuung, besonders auch der Kinder. Langfristige Betreuungskonzepte greifen da weniger. Ab März 2015 leben in der Stiftung viele verschiedene Nationalitäten. Überwiegend sind es Muslime, teilweise Christen, teilweise Jesiden. Über 200 Personen haben so schon in der Stiftung gelebt.

Wie leben die Flüchtlinge?

Die Flüchtlinge sind in 4 Wohngruppen untergebracht, alle Wohngruppen haben Küche, Wohnzimmer, Balkon und 1-3 Bettzimmer für jeweils 15 Personen. Dazu kommen noch 12 Appartements mit Dusche und kleiner Küche für jeweils 2 – 3 Personen. Aufgeteilt in 2 Häuserblöcke, dem Haus Maria und Haus Josef. Die genutzten Raumkapazitäten sind natürlich größer, auch größer als das neue Flüchtlingsaufnahmegesetz vorschreibt.

Was ist das Besondere an dieser neuartigen Flüchtlingsaufnahme?

Das Besondere dieser Einrichtung der Flüchtlingsaufnahme steckt schon im Namen: Heimat geben. Wir wollen mit unserer Stiftung Menschen, die ihre Heimat verloren haben, ein stückweit Heimat geben. Dazu gehört aber auch, im Vorfeld zu erspüren, was diese Menschen für Heimatgefühle haben. Darum standen Reisen zu diesen Menschen auf der Flucht im Vorfeld zur Konzeptentwicklung an – ob Libanon, Ägypten, Malta oder Griechenland. Schule für die Kinder, Arbeit, ärztliche Versorgung und Sicherheit waren Schlagworte in diesem Zusammenhang. Also gingen wir auf diese Bereiche ein: Drei Kindergärten in Kooperation, eine Schule, Ärzte und Arbeits- und Ausbildungsplätze gehören zu unserem Netzwerk. Auch eine Hauskapelle als interreligiöser Raum mit Gebetsteppich und mehr wurde geschaffen – wer weiß, welche Religion unsere Flüchtlinge haben und haben werden.
Ein Abholen am Flughafen oder in Friedland gehört zu einer Willkommenskultur. Wie es eben möglich ist.
Eine gute Betreuung und Begleitung durch unser ganzes Team geschieht täglich. Ein Zusammensitzen am Abend oder das Feiern von Festen oder Begegnungsabende gehören zum Heimat geben. 
Für unsere Syrer gehört das Shisha rauchen zur Heimat. Auch das muss ermöglicht werden.
Manche Kinder sind schwierig, Traumata sind spürbar und allgegenwärtig. Man kann über das Licht in den Zimmer die ganze Nacht über meckern, aber ohne Licht geht das Schlafen nicht.
Einige Ehrenamtliche unternehmen mit den Flüchtlingen etwas, ob baden gehen, in die Stadt gehen oder einen Bauernhof zu erkunden.
Menschen begegnen Menschen – das spüren beide Seiten. Schwester Christina, Pater Mayer und auch ich als Flüchtlingsseelsorger  und Ordenspriester erleben keine Berührungsängste mit diesen sunnitischen Syrern oder anderen im Haus. 
Vieles ist im Tages Rhythmus bei den Arabern, Afrikanern usw. anders – Erziehung wird anders praktiziert. Frauen feiern mit Frauen getrennt von den Männern. Es steht kein Alkohol auf dem Tisch. Das Essen und die Art und Weise des Essens sind anders. Aber das Lachen, die Freude, die Trauer, das Weinen und der Aufschrei über weitere Verstorbene in Syrien – hallen wieder in den Gesichtern derer, die Heimat geben wollen. Manches muss man aushalten – auch das ist Heimat geben.
Zwei Ordensgemeinschaften sind in dieses Projekt involviert: Die Vinzentinerinnen von Untermarchtal und die Oblaten der makellosen Jungfrau Maria. Sie sind präsent durch den Einsatz vor Ort. Die Franziskanerinnen von Reute sendeten eine Novizin für 3 Monate. Die Oblaten senden Vornovizen für Praktika. 
Viele Syrer oder auch Iraker oder Afrikaner kennen christliche Werte aus ihrer Heimat. So wurde der Heiligabend in beiden Jahren interreligiös gefeiert: Die Sure Maria aus dem Koran wurde in arabisch und deutsch vorgelesen. Das biblische Geburtsgeschehen ebenso in beiden Sprachen. Über die Krippe wurde gesprochen, Lieder wurden gesungen. Dann gab es unter dem Weihnachtsbaum für jeden ein persönliches Geschenk, liebevoll eingepackt von den Landfrauen aus Oggelsbeuren. 
Das Landratsamt Biberach ist mit unserer Einrichtung einen neuen Weg gegangen: die Betreuung der Flüchtlinge und Asylbewerber wurde an die Stiftung delegiert.
In der Steuerungsgruppe „Belegung“ werden regelmäßig zwischen Landratsamt, evangelischer Kirche, Caritas und Stiftung Absprachen getroffen oder über einzelne Auffälligkeiten und Entwicklungen diskutiert.
Im Januar 2015 waren der Ortschaftsrat Oggelsbeuren und der zuständige Gemeinderat Attenweiler zu einem Treffen eingeladen. Alle bestätigten einen konfliktfreien Verlauf der Flüchtlingsaufnahme in Oggelsbeuren. So könne es weitergehen.
Ende 2015 beschloss auch der Ortschaftsrat mit Bürgermeisterin Frau Brobeil eine Erhöhung der Zahl der Flüchtlinge und eine Aufnahme in das Haupthaus der Stiftung. Ab 2016 werden dann 120 Flüchtlinge in der Stiftung wohnen. Die Verantwortlichen der Stiftung waren immer dafür. Das Landratsamt Biberach begrüßte diese Perspektive.
Ordensgemeinschaft der Oblaten vor Ort
Seit dem 1.1.2016 leben im Haupthaus der Stiftung 2 Ordensleute der Oblaten unter einem Dach mit den Flüchtlingen. Im 3. Stock wurden Räume eingerichtet. Durch das Auflösen des Klosters in Schemmerhofen waren genügend Möbel und mehr vorhanden. So wird nun Leben im 3. Stock sein. Regelmäßige Gottesdienste in der Hauskapelle werden angeboten. Seelsorge ist nun gut möglich.
Wir leben als Lebensgemeinschaft zusammen, können Trauer mittragen, Sorgen und Nöte wahrnehmen. Feiern, wenn es etwas zu feiern gibt. Begleiten, wo Begleitung wichtig ist. Wir sind unserem Bischof Dr. Gebhard Fürst dankbar, dass er mich, Pater Alfred, als Flüchtlingsseelsorger für die Stiftung angestellt und uns ein Wohnen in der Stiftung ermöglicht hat. 
Leuchtturm
Die Stiftung „Heimat geben Oggelsbeuren“ ist sicher ein Leuchtturm auf diesem Gebiet der Flüchtlingsaufnahme. Dieses Projekt lässt sich sicher auch nicht ohne weiteres an einen anderen Ort verpflanzen. Doch es kann ermutigen, an anderen Orten ähnliches zu verwirklichen. Es kann ermutigen, nicht nur zu reagieren sondern zu agieren.
Viele Aktive sind keine regelmäßigen Kirchgänger – es entwickeln sich neue Kontakte in diesem neuen Begegnungsraum. Kirche wird anders erlebbar, auch über Pfarreistruktur hinaus.
Kirche und Orden kommen ins Gespräch – nicht durch ihre Bauten und Strukturen, sondern durch den Einsatz im Rahmen der Werke der Barmherzigkeit.
Die vielen Nachfragen, um ein freiwilliges soziales Jahr bei uns zu machen oder im Rahmen des Bundesfreiwilligendienstes kommen zu wollen oder Praktika zu machen, zeigen: Begegnungsräume mit jungen Menschen öffnen sich. Es ist eine Chance für Orden und Kirche. 
Leuchttürme brauchen wir gerade auch in unserer Zeit. An vielen Stellen wird tolle Arbeit geleistet, vor Ort bei der Flüchtlingsaufnahme, aber auch an den vielen Wegen der Flüchtlinge. Es macht Mut, gerade auch das fast Unmögliche als sich konkret Entwickelnde zu erleben.
Ich spreche lieber von Inklusion als von Integration der Flüchtlinge. Die Flüchtlinge verändern uns, die Flüchtlinge bringen uns in Bewegung. Wir lernen von Flüchtlingen: vielleicht eine intensiviere Sichtweise von Familie. Vielleicht ein Leben mit weniger Alkohol. Vielleicht ein stärkeres Mitschwingen von Religion im Leben. Vielleicht Dankbarkeit für unsere Heimat Kloster oder andere Orte von Heimat. Vielleicht Dankbarkeit für Frieden und das, was unsere Vorfahren geschaffen haben. Vielleicht mehr mit dem Herzen zu denken als mit dem Kopf. Vielleicht Gastfreundschaft neu zu erleben.
Für mich sind Flüchtlinge Geschenke Gottes, Botschafter Gottes. Sie reißen uns Orden und Kirche aus dem Kreisen um uns selbst und den eigenen Strukturen. Sie konfrontieren uns mit der christlichen Botschaft den Werken der Barmherzigkeit viel Raum zu geben. Sie fordern uns heraus, die gemachten Nester zu verlassen oder zu öffnen.  
Flüchtlinge sind die Herausforderung für unser christliches Abendland. Sie hinterfragen nicht nur die Kultur und religiösen Vollzüge unseres Abendlandes – sie stellen diese ins Licht der frohen Botschaft Jesu Christi und seinen Forderungen.
Reibungspunkte und Zukunft:    
Die vielen Ehrenamtlichen müssten besser und kompetenter begleitet werden.
Die Therapien von Trauma Patienten, ob bei Kindern oder Erwachsenen, werden aufgrund des Fehlens arabisch sprechender Therapeuten zu stark vernachlässigt.
Das Kursangebot für Sprachkurse mit Abschluss ist nicht der Nachfrage entsprechend.
Zum Schluss:
Das Thema Flucht ist nicht nur aufgrund der Flüchtlinge das (!) Thema unserer Zeit. Die Bibel hat viel Fluchterzählungen: ganze Völker, die hl. Familie, der Prophet Jona vor seiner Berufung, um nur einige zu nennen. Es lohnt sich, diese in den Blick zu nehmen.
Flucht ist auch in unserer Gesellschaft allgegenwertig: 
Flucht in eine andere Welt: Man stylt sich in einem Profil so, wie man sein möchte und bewegt sich in dieser trügerischen Internetwelt und ihren Welten. 
Flucht in Klöster, aus Beziehungen oder in neue Beziehungen.
Flucht aus dem eigenen Körper: Schönheitsoperationen und anderes in diesem Rahmen haben Hochkonjunktur.
Flucht in Drogen, Alkohol oder anderen Triebbefriedigungen.
Flucht in den Kick, auch wenn er noch so gefährlich ist.
Wer von uns hat Fluchttendenzen?
Flucht als Phänomen dieser Zeit und als Herausforderung für uns Ordensgemeinschaften 
Mit diesem Satz würde ich gerne den Bericht über das Projekt Heimat geben Oggelsbeuren beenden und auch gerne einladen.
Gerne können Sie mal kommen.
Gerne können Sie Ideen äußern.
Gerne können Sie Flyer oder anderes anfordern: www.heimatgeben.de
Wir haben ein Gebet, was uns in Oggelsbeuren viel begleitet: 
Liebender Gott.
Barmherziger Gott.
Gütiger Gott.
Wertschätzender Gott.
Weise Du uns den Weg.
Sende Du uns Deinen Geist.
Schenke uns die Gabe, die Zeichen der Zeit zu erkennen.
Schenke uns Kraft, die Missstände dieser Zeit anzupacken.
Schenke uns den Mut, über Mauern zu springen.
Schenke uns die Liebe zu den Armen und Ärmsten.
Schenke uns die Freude, Dir dienen zu können.
Schenke uns den Mut eines Paulus.
Schenke uns die Kompetenz eines Petrus.
Schenke uns die Spiritualität der Seligen und Heiligen.
Schenke uns Konsequenz des vorletzten Papstes Benedikt.
Schenke uns den Blick in die Welt, den Papst Franziskus vorlebt.
Der Segen Gottes begleite uns.
 
19 Sep 2021;
11:00AM - 12:00PM
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20 Sep 2021;
09:00AM - 10:00AM
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22 Sep 2021;
08:00PM - 09:00PM
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22 Sep 2021;
10:00PM - 11:30PM
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